Auf irgendeiner Bordsteinkante in der Innenstadt

Veröffentlicht: Dezember 30, 2011 in Uncategorized

Ich sitze hier auf meiner imaginären Bordsteinkante und werfe heute einen Blick auf das zurückliegende Jahr. Zwar verliere ich normalerweise nicht so viele Worte auf diesem Blog, doch 2011 neigt sich dem Ende zu, und der Wunsch nach einem Resümee drängt sich auf.

Was brachte das Jahr?

Nach dem alternativlosen Wutbürger des Jahres 2010, befindet sich die Welt 2011 im Stresstest. Ich erspare mir und dem geneigten Leser die Betrachtung von Rettungsschirmen und Rating-Agenturen. Diese Herrschaften dürfen sich gerne noch etwas um sich selbst drehen.

Einige Menschen verließen in diesem Jahr die Bühne der (Welt-)Politik. Ob es sich dabei um Osama bin-Laden, Muammar al-Gaddafi, Kim Jong-Il, Silvio Berlusconi oder Karl-Theodor zu Guttenberg handelte – die Tränen waren schnell getrocknet. Das Konzept des geliebten Führers erhielt Risse.

Das Jahr 2011 begann mit den Protesten in der arabischen Welt. Ob in Tunesien, Ägypten, Bahrain, Jemen oder Syrien – die Menschen gingen auf die Straße und kämpften blutig um ihr Recht. Die Welt starrte mit offenem Mund auf die Ereignisse, ohne ganz zu verstehen, was dort eigentlich vor sich ging. Die Wärme des Arabischen Frühlings erreichte selbst den russischen Winter, wo in diesen Tagen Hunderttausende gegen die Machenschaften des Herrn Putins aufbegehren.

Im März wurde die Küste Japans durch Erdbeben und einem Tsunami verwüstet. Der Name Fukushima brannte sich in die Geschichte, wie fünfundzwanzig Jahre zuvor Tschernobyl. Selbst dem letzten Menschen, vielleicht mit Ausnahme der Vorstände der vier großen Energieversorger wurde klar, dass die Atomenergie ein Flug ohne Landebahn ist. Der Aufprall war hart und erschütterte selbst meine Bordsteinkante. Schauen wir mal, ob der sogenannte Atomausstieg diesmal länger hält als ein Jahrzehnt.

Im Sommer erreichen uns Bilder eines blonden, jungen Mannes aus Norwegen. Anders Behring Breivik ließ einen gewaltigen Sprengsatz in der Osloer Innenstadt explodieren und fuhr im Anschluss auf die Insel Utoya und erschoss zahlreiche Kinder und Jugendliche eines Sommercamps der Arbeiterpartei. Die Medien überschlugen sich mit Meldungen über islamistischen Terror oder einen Amoklauf, ehe die Wahrheit über das rassistische Weltbild des Anders Breivik im Internet auftauchte. Ein verwirrter Einzeltäter? Vielleicht. Seine neonazistische Gesinnung ist jedoch nicht zu leugnen. Der faschistische Terror hat seit vielen Jahren den Rahmen der Brandanschläge, Körperverletzungen und des Totschlages verlassen und ist für kurze Zeit ins Rampenlicht gerückt. Da wurde selbst meine Bordsteinkante ungemütlich.

Auch wenn Viele ähnliches befürchteten, hatte niemand wirklich damit gerechnet, dass in der BRD eine Nazi-Terrorwelle sondergleichen durch das Land rollte. Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zogen viele Jahre mordend durch das Land. Die Opfer wurden mit Begriffen wie „Döner-Morde“ diffamiert und der Verfassungsschutz zeichnete sich nicht nur durch sein Nazi-BaföG aus. Verwirrte Einzeltäter? Auf keinen Fall! Die Zittauer Terrorzelle war bestens mit der Neonazi-Szene verknüpft, die Verbindungen reichten bis in die Kreise der NPD und den schon genannten Schlapphüten des Verfassungsschutzes. Zahlreiche Waffenfunde bei organisierten Nazis und einhundert achtzig von ihnen getötete Menschen seit 1990 sprechen eine deutliche Sprache über die hässliche Fratze des Neofaschismus in diesem Land. Es wird Zeit den gemütlichen Platz auf der Bordsteinkante zu verlassen.

Und sonst?

Der siebenmilliardste Erdenbürger wurde geboren und der Gesellschaft wurde erklärt, dass occupy nichts mit einem Tintenfisch gemein hat. In Teilen Londons brennen die Straßen, entzündet durch die Wut der Menschen. Das kurz zuvor die Zuschüsse für soziale Einrichtungen in den betroffenen Stadtteilen um bis zu 70 % gekürzt wurden, blieb eine Randnotiz. Vergessen darf man ebenfalls nicht die staatlich kontrollierte Hypo Real Estate Bank, der ein kleiner Rechenfehler unterlief. 55,5 Milliarden Euro kann man ja auch mal übersehen.

Ein Ausblick

Wenn man sich das hier Geschriebene auf der Zunge zergehen lässt kommt man schnell zu der Aussage: Es kann nur besser werden! Ob das wirklich so ist, wird uns das Jahr 2012 zeigen.

Laut des alten Maya-Kalenders beginnt in diesem Jahr die Sechste Welt, was für Hollywood gleichbedeutend mit dem Weltuntergang ist. Ich halte es da lieber mit dem Rollenspiel Shadowrun, welches für 2012 das Auftauchen des ersten Drachen prophezeite, welcher die Rückkehr von Elfen und Orks ankündigen sollte. Somit schaue ich mit einem freudigen Grinsen in die Zukunft, wenn ich an dieses Erwachen der Magie denke. Selbst wenn es nicht dazu kommen sollte, können wir uns Weihnachten 2012 zumindest auf ein paar Zwerge bei Peter Jacksons Der Hobbit freuen.

Und keine Angst was die politische Elite im Jahr 2012 angeht! Da Herr zu Guttenberg noch nicht das hohe Alter eines Berlusconis erreicht hat, werden wir in Zukunft sicherlich noch einen geliebten Führer haben.

Grüße von der Bordsteinkante

Mike

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