try to fill the spaces in between

Veröffentlicht: März 14, 2012 in Uncategorized

Die Koffer für die Leipziger Buchmesse sind gepackt und noch diesen Monat erscheint Angbar Mortis. Zeit einmal über die Schulter zu blicken und ein stückweit das Nähkästchen zu öffnen.

aufRäumen

Von der Entstehung

Geschichten brauchen Raum, um sich zu entfalten. Und ebendieser Raum beeinflusst eine Erzählung weit mehr, als manch Bühne ein Theaterstück.

Nach der Lektüre der hervorragenden Spielhilfe Patrizier & Diebesbanden im Zuge der Erstellung des Vorgängers Riva Mortis passierte es fast von selbst, dass ich ein paar Seiten weiterblätterte und dabei unvorbereitet auf die Handwerkerstadt im Kosch traf. Mit einer gehörigen Portion Skepsis, ob der Schlafmützigkeit der Provinz, widmete ich mich der harmonischen Heimstätte von Mensch und Angroschim. Doch schon nach wenigen Seiten wurde mir klar, dass es sich bei Angbar keineswegs um ein verschlafenes Nest handelte, wie ich anfangs befürchtete. Viel mehr fügten sich nach und nach Versatzstücke zusammen, die das Bild einer facettenreichen Stadt voller Spießbürgertum, dunklen Geheimnissen und himmelsschreiender Doppelmoral zeigte. Hinter der sauberen Fassade von ehrlichem Handwerk und traditionalistischen Familienbanden faulte manch Apfel vor sich hin. Darüber hinaus ist die Historie Angbars, mit dem Überfall des Alagrimms, alles andere als langweilig. Dieser dramatische Einschnitt in die Stadtgeschichte riss Angbar aus dem Dornröschenschlaf mitten hinein in das Jahr des Feuers. Eine sehr dankbare Voraussetzung für mich als Autor, denn ein brüchiger, sich wandelner Raum ist immer interessanter als ein statischer.

So war der Raum schnell gefunden. Es fehlten noch die Figuren, die ihn mit Leben füllen sollten.

Nichts lag näher als dem wirrköpfigen Magier Madajin aus dem Vorgänger Riva Mortis einen weiteren Auftritt zu bescheren – der Kultur-Clash konnte nicht größer sein. An seiner Seite findet sich erneut eine Frau mit sehr speziellen Vorzügen. Gergrimm groschna Gandrox ist eine raubeinige Ambosszwergin, die ihren Platz in der Angbarer Gesellschaft genauso wenig finden kann wie der Maraskaner. Die siebenfache Witwe kann einem Angroscho nur schwer ein rahjagefälliges Abenteuer abschlagen. Allerdings bevorzugt sie es, mit ihrem Kriegshammer Bertax voranzuschreiten und Schädel einzuschlagen. Gemeinsam mit dem sprunghaften Madajin bildet sie ein dynamisches Duo, wie es Angbar noch nicht erlebt hat.

Der Raum war bevölkert. Aber konnte man ihn auch sehen und hören?

Ars Mortis

Kunst ist immer auch Handwerk. Denn nur wer die jeweilige Kunst zumindest im Ansatz beherrscht, ist in der Lage, einen Raum zu schaffen, der die Menschen berührt.

Beim Schreiben ist das nicht anders als beim Zeichnen oder beim Musizieren. Auch hier gilt es, gewisse Regeln einzuhalten, um einen möglichst breiten Zugang zu schaffen. Das beginnt bei einer sauberen Grammatik, geht über das Wissen über Dramatik bis zur Entwicklung von Figuren. All das kann man lernen. Man sollte sich mit den unterschiedlichen Theorien seines Handwerkes auseinandersetzen und viel, viel üben. Beim Zeichnen muss man die menschlichen Proportionen korrekt wiedergeben können und ein Gefühl für ein ansprechendes Arrangement der einzelnen Teile haben. Nicht anders ist es in der Musik. Auch hier ist das Wissen um Klangfolgen und Melodien vonnöten, um den Hörer in die beabsichtigte Stimmung zu versetzen.

So haben alle drei Künste – das Schreiben, das Zeichnen und die Musik – als Basis das solide Handwerk. Wenn ich jedoch die Arbeit einer Zeichnerin oder eines Musikers genauer betrachte, vergesse ich diese Regel schnell. Dann ist es für mich nur noch pure Magie. Wie von Zauberhand fügen sich einzelne Pinselstriche zu einem Bild zusammen und mit der Leichtigkeit eines Virtuosen ergeben die ersten zaghaften Klänge schnell eine fesselnde Melodie. Vielleicht liegt es einfach an meiner völligen Unbegabtheit in diesen künstlerischen Bereichen, dass ich mit offenem Mund die Arbeit von Melanie Meier und Ralf Kurtsiefer betrachte. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie schlicht und ergreifend zauberhafte Kunst kreieren.

Lange Rede, kurzer Sinn: Voller Stolz darf ich am heutigen Tage das Coverbild zu meinem Roman Angbar Mortis und, wie schon zuvor bei Riva Mortis, ein passendes Musikstück zum Buch präsentieren. Alle drei Künste erzählen auf ihre eigene Art und Weise Geschichten. Umso mehr freut es mich, dass in diesem Fall alle gemeinsam dieselbe Geschichte erzählen.

Der Raum erhielt einen Anstrich und die Stille wurde verdrängt.

Ralf Kurtsiefer: Track zu Angbar Mortis

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