Tumult bei der Wiedereröffnung der Bäckerei Süßbrodt

Veröffentlicht: März 30, 2012 in Uncategorized

(Angbar) Schon zu nachschlafender Stunde wehte der Geruch von Zimt, exotischen Mandeln und wohlschmeckenden Teigwaren durch die Gassen von Alt-Angbar. Als die Nachbarn ihre warmen Betten verließen knurrte bereits so mancher Magen ob der Verheißung süßer Leckereien in der Luft. Und so waren es nicht wenige brave Angbarer Bürger und Bürgerinnen, die sich bereits frühzeitig vor der kleinen Backstube versammelten, umgeben von einer zahlreichen Kinderschar, die mit großen Augen und unruhigen Füßen auf das erlösende Öffnen der Eingangstür zum Verkaufsraum warteten.

Nach einer schieren Ewigkeit vernahmen die Umstehenden das verheißungsvolle Klappern des Riegels. Doch als sich die Tür öffnete und eine Wolke verführerischer Düfte entließ, stand mitnichten die neue Besitzerin der Bäckerei Süßbrodt im Eingang, wie es die meisten erhofft hatten. Ihre Blicke fielen auf Baldur Bröterich, seines Zeichens langjähriger Vorsteher der hiesigen Zuckerbäckerzunft. Mit einem galanten Lächeln überspielte er die spürbare Enttäuschung der Anwesenden und rückte seinen Praiostagswams zurecht. Noch bevor Protest und Ungeduld aufkommen konnte, erhob Bröterich seine Stimme: „Wackere Angbarer Bürger, verehrte Angroschim und Menschen, liebe Kinder. Es ist mir eine besondere Ehre Euch, nach mehreren Götterläufen des Leerstandes, zur Wiedereröffnung der traditionsreichen Zuckerbäckerei Süßbrodt zu begrüßen.“

„Aber die Süßbrodts sind doch alle tot!“, erschallte die Stimme eines unbekannten Rufers. Bröterich verlor fast die Fassung. Wer wagte es auf solch rüde Weise seine Festansprache zu stören? Schnell fügte er an: „Umso herzlicher sollten wir die neue Besitzerin in unserer schönen Stadt willkommen heißen.“

„Heuchler!“ erklang es aus einer anderen Ecke.

Die Menge wurde zusehends unruhiger, ob des sich anbahnenden Eklats. Während des Zunftmeisters Gesichtsfarbe in ein tiefes Rot überging und er sich mit einem Stofftuch den Schweiß von der Stirn tupfte, setzte der erste Rufer nach: „Ihr seid keinen Deut besser!“ und „Geistiger Brandstifter!“ erklang es vereinzelt aus der Menge. Es dauerte noch einige Momente ehe die Hügelpüschel, wie die Angbarer Garde heimlich genannt wurde,  eingriffen. Mit verzweifelten Gesten versuchte der Zunftvorsteher sie in die ungefähre Richtung der gesichtslosen Störern zu dirigieren. Die Gardisten durchpflügten die lautstark protestierende Menge. Solch ein Tumult kommt, im sonst ruhigen Koscher Land, fast einem Aufstand gleich.  Doch die beiden Rufer, der Stimme nach ein Mann und eine Frau, wurden sie nicht habhaft.

Die Leute schimpften und zeterten noch eine Stund danach, während sie in kleinen Grüppchen zusammenstanden und gleichwohl die Zwischenrufer als auch die Hügelpüschel verfluchten. Baldur Bröterich war bereits wieder in der Backstube verschwunden. Man sagt, dass seine Aufregung mindestens genauso lange anhielt, wie der Tränenfluss der vormals stolzen Zuckerbäckerin, die sich die Eröffnung ihres Geschäftes wahrlich anders vorgestellt hatte.

Doch wer waren die Zwischenrufer?

Was haben die haltlosen Anschuldigungen gegenüber dem Zunftmeister für eine Bewandtnis?

Und wird der Schreiber dieser Zeilen jemals den Angbarer Apfelstrudel – nach neuem Rezept – kosten können?

Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Für den Kosch Kurier, Helmgar Paustbart.

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