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Veröffentlicht: März 17, 2014 in Uncategorized

Vier Tage Messewahnsinn gehen zu Ende.Foto2334

Für mich ist die Reise nach Leipzig immer zweigeteilt. Auf der einen Seite ist es natürlich Arbeit. Man schaut sich Verlage an, prüft wo man als nächstes veröffentlichen kann, liest aus seinen Geschichten und all dies. Dem entgegengesetzt ist die Freude des Lesers, mit dessen Blick ich natürlich auch über die Messe gehe. Ebendieser Leser freute sich über wunderschöne Bücher, zauberhafte Lesungen und spannende Diskussionen. Und beide Seiten sind sehr zufrieden mit den vergangenen Tagen.

Womit ich allerdings ganz und gar nicht einverstanden war und bin, war der Auftritt von Thilo Sarrazin. Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie man so jemanden auf das Blaue Sofa holen und ihm Raum geben kann, seine menschenverachtenen Thesen zu verbreiten. Ich finde es einen Affront gegen die diesjährigen Autoren der Buchmesse, in einem Atemzug mit diesem wirren, alten Mann genannt zu werden. Widerlich. Einziger Lichtblick dabei war, dass das Interview mit Sarrazin nicht ohne Proteste ablaufen konnte. Das war die richtige Antwort auf seine rassistischen Pamphlete.

Mit großer Sorge lauschte ich Podiumsdiskussionen und Vorträge über die Ereignisse in der Ukraine und dem Erstarken von (Neo-)Nazis in Belarus, Polen und ebenfalls der Ukraine. Die Verhältnisse in diesen Ländern sind stellenweise signifikant anders als in Deutschland, während sich manches sehr identisch entwickelt. Sehr gefreut hat mich der Kommentar der polnischen Soziologin Karolina Wigura, welche die Ziele der polnischen Nazis als Science Fiction wertete, weil sie meilenweit von der Realität entfernt liegen.

Halle 5, der Ort der jungen Independenent-Verlage, war überaus gut besucht und immer wieder ein Anziehungspunkt für mich, wenn ich das Mutterschiff Fantasy-Leseinsel mal verlassen wollte. Nicht nur das ich da einem Tim Burton-Double ein Buch abkaufen durfte, auch die Kreativität der dargestellten Werke fasziniert mich jedes Jahr auf´s neue.

Mit einer angenehmen Überraschung watete der Preis der Leipziger Buchmessse auf. Sie prämierten den Roman „Das Fest“ von Saša Stanišić. Dieser war in der Vergangenheit Autor von Publikationen aus der Welt des Schwarzen Auges. Wenn das mal nicht Mut für die Zukunft gibt… 🙂 Gratulieren möchte ich natürlich auch meiner großartigen Kollegin Ju Honisch, die mit ihrem Roman Schwingen aus Stein den diesjährigen Seraph gewinnen konnte.

Kommen wir zu meinen persönlichen Highlights dieses Jahres: Ich bin immer noch wahnsinnig dankbar und erfreut auf und neben der Leipziger Buchmesse gelesen zu haben. Den Auftakt machte am Samstag Abend die schon fast traditionell stattfindende Lesung des Verlags Torsten Low in der Absintherie La Petite. Wer mal in Leipzig ist, sollte dringend diesen Laden aufsuchen (von dort stammt auch obenstehendes Foto). Ich frage mich immer noch wie die dreißig Menschen in die schmale Bar passten und was wir anstatt Sauerstoff eigentlich atmeten, aber es machte großen Spaß. Neben Torsten Low himself, las Stefanie Mühlsteph aus ihrem Debütroman Blutschwur, welcher umgehend einen Weg ins Bücherregal Krzywik-Groß fand. Ich durfte noch einmal meine Krieger-Geschichte Von Deserteuren und Märtyrern zum Besten geben.

Am Folgetag ging es dann in das Herz der Bestie – auf die Fantasy-Leseinsel. Wir hatten die große Freude aus unserer Steampunk-Anthologie Eis & Dampf zu lesen. Satte sieben Autoren fanden den Weg auf die Bühne und an den nachstehenden Signiertisch. In einer szenisichen Darbietung lasen wie aus Judith Vogts Der Puppenmacher und meinem Galileo starb zu Recht vor großem und interessiertem Publikum. Ein grandioser Moment und krönender Abschluss von vier spannenden, abwechslungsreichen Tagen in und um Leipzig.

Mein Dank gilt den Verlagen Torsten Low und Feder & Schwert, sowie den großartigen Menschen von werk-zeugs.

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