tragik ist wie liebe ohne happy end

Veröffentlicht: Juli 16, 2014 in Uncategorized

Ich mag Fußball.Foto 2

Ich gehe regelmäßig ins Stadion, kaufe mir hin und wieder ein entsprechendes Fachmagazin und schaue mit gerne Spiele im Fernsehen an. Selbst Länderspiele der Herren-Nationalmannschaft sind dabei und ja, ich fiebere sogar mit denen mit. Dabei bin ich jedoch frei von Dingen wie Nationalstolz und ich bin jetzt auch kein Weltmeister geworden, wie so viele gerade von sich behaupten. Herrje, dann wäre ich auch schon Papst.

Ich habe es nicht so mit Nationalstolz. Stolz ist eine zweischneidige Sache. Stolz kann man nur auf Dinge sein, welche man selbst geleistet hat. Habe ich irgendetwas dazubeigetragen, dass in meinem Pass deutsch steht? Hat die Nationalmannschaft besser gespielt, weil ich TV geguckt habe? Nein, ich denke nicht.

Allerdings mag ich die Mannschaft der BRD. Das hat viel mit der Spielweise und den Spielern zu tun. Vor allem aber daran, das ich die einzelnen Figuren am beste kenne. Ich verfolge wenig die internationalen Ligen und so sehr mich Mannschaften wie Costa Rica, Kolumbien oder Mexiko begeistert haben, kann ich mich doch am ehesten über Erfolge von Mertesacker, Hummels und Löw freuen. Generell hat mich der überzeugende Auftritt auf dem Spielfeld mitgerissen, aber auch die fairen Gesten am Rande. Es gab keinen Hohn, sondern helfende Hände und Trost für die unterlegende Mannschaft bei der WM. Recht so.

Dies scheint nun vorbei zu sein.

Mit ihrem sogenannten „Gaucho-Tanz“ haben die Spieler der BRD die Gemüter erhitzt. Zu Recht? Ja. Ich sehe zwar keinen Rassismusvorwurf in den Handlungen bestätigt und würde die Darbietung am ehesten auf junge Männer mit Alkohol zurückführen, nichtsdestotrotz macht man so etwas nicht. Ja, es gibt nicht nur schlechte Verlierer, sondern auch schlechte Gewinner. Das Bild der fairen Gesten, welches ich oben beschrieben habe, ist weggewischt und ersetzt von arroganter Überheblichkeit. Schade – selbst verbockt.

Nicht ohne Grund besuche ich am ehesten die Heimspiele des FC St. Paulis. Neben der linksalternativen Kultur welche dort gepflegt wird, hat mich vorallem der gelebte Respekt in seinen Bann gezogen. Vor jedem Spiel wird das gegnerische Fanlied gespielt, dass kenne ich aus keinem anderen Stadion. Die Auswärtsfans werden anständig begrüßt und bei der Vorstellung der gegnerischen Spieler erschallen keine Arschloch-Rufe, wie es in vielen anderen Stadien Sitte ist. Slebst die eigene Mannschaft erhält fast nie Pfiffe. Den „Gaucho-Tanz“ habe ich am Millerntor noch nicht gesehen. Man feuert gemeinsam seine Mannschaft an, Siege werden bejubeln und Niederlagen betrauert – ausdrücklich auch mit den gegnerischen Fans. Die Stichworte sind: Respekt, Wertschätzung und Leidenschaft für den Fußball.

Genau diese Haltung vermisse ich, wenn Nationalspieler in gebückter Körperpose gegnerische Spieler runtermachen. Das ist despektierlich, dumm und zeigt eine Geisteshaltung auf, die ich nicht teile. Wenn ich höre „So gehen Deutsche“ muss ich immer noch als erstes an den Stechschritt denken. Das ging den Spielern der Nationalmannschaft wohl anders.

Generell blicke ich – neben all der Leidenschaft und Freude – mit äußerst gemischten Gefühlen auf eine Weltmeisterschaft im Allgemeinen und den Erfolg der BRD-Mannschaft im Besonderen. Ich erinnere mich noch gut an den letzten WM-Titel, den diese Nation holte. Es war die Zeit der sogenannten Wiedervereinigung, der „Deutschland den Deutschen“-Rufen und den „Das Boot ist voll“-Schlagzeilen. Ein Land, dass sich in einem widerlichen Taumel aus Nationalismus und Rassismus befand. In einer Zeit wo zwischen „nützlichen Deutschen“ und „schmarotzenden Asylanten“ unterschieden wurde, in der das Asylrecht faktisch abgeschafft wurde und die Wohnheime von Flüchtlingen brannten. Die „Wir-sind-wieder-wer“-Mentalität herrschte vor und ist für mich untrennlich mit dem WM-Erfolg von 1990 verbunden. Da kann ein bisschen Sensibilität im Umgang mit solch einem Großereignis nicht schaden. Naja, zumindest hat Bundespräsident Gauk eine Gelegenheit verpasst um zu den Waffen zu rufen.

Was bleibt von der Weltmeisterschaft? Eine dämliche Siegesfeier? Ja. Aber auch begeisternder Fußball von vielen Teilnehmern; spannend Spiele und große Überraschungen; ein plattgewalztes Naturschutzgebiet, um einen Trainingsplatz für die BRD-Kicker zu bauen; eine verrückte brasilianische Regierung, welche Protest niederknüppelte und Stadien baute, welche die Kosten der letzten beiden Weltmeisterschaften zusammen verschlangen; einen ehemaligen Weltmeister Ronaldo, der ebendiesen Knüppel einforderte; eine FIFA die mit dem Imperium aus Star Wars konkurieren kann und die Frage, wer ist eigentlich unsympathischer: Bierhoff oder Blatter?

Vielleicht finde ich die Antwort in Rußland oder Katar. Na dann, Prost Mahlzeit.

 

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