fuck charity love solidarity

Veröffentlicht: November 4, 2015 in Uncategorized

Fuck charity – love solidaritynicht-jeder-verlaesst-sein-heim-freiwillig.jpg.d9b51f4337d72a7a4d14e2efc0b83092

Normalerweise entspricht der oben stehende Spruch nicht ganz meinem Vokabular. Er stammt auch nicht von mir, ich sah ihn auf einem Shirt zu Gunsten von ArbeiterInnen in Kroatien und Südasien. Und doch trifft er einen ganz wichtigen Nagel auf den Kopf.
Ich muss etwas ausholen.
Es ist nicht besonders schwer zu helfen. Das Ausfüllen eines Überweisungsträgers ist schnell gemacht und der Verzicht von zehn Euro ist für die meisten von uns rasch zu verschmerzen. Dem Gewissen geht es gut und überraschenderweise hat man faktisch sogar ein klein wenig bewegt. Soweit, so gut.
Doch leider fehlt Charity-Aktion häufig die entscheidende Nachhaltigkeit und das ist sicherlich kein Wunder, geht es doch dabei meist um eine kurzes Engagement, ehe man sich dem nächsten Thema zuwendet. Es ist wie Lichterketten gegen Brandstifter – sehr nah an der Symbolpolitik. Das ist legitim, aber auch zu kurz gegriffen.
Charity empfinde ich häufig als das Überlassen von Brotkrumen. Almosen werden verteilt, aber der Status Quo bleibt bestehen. Natürlich ist die teure Promi-Gala eine effektive Hilfe, da dort viel Kapital generiert werden kann, doch das alleine löst sicherlich keine gesellschaftlichen und politischen Probleme.
Spannender wird es, wenn wir über Solidarität nachdenken. Als großen Unterschied zwischen Solidarität und Charity sehe ich die Auseinandersetzung mit der Lebenssituation der Betroffenen. Nehmen wir die sogenannte Flüchtlingskrise und all die hässlichen Dinge, die in diesem Land dazu passieren.
Es kommt nicht von ungefähr, dass die Anhänger von PEGIDA als empathieloses Pack bezeichnet werden. Zwar ist Rassismus noch weitaus mehr – vergessen wir an dieser Stelle nicht kapitalistische Verwertungslogik oder strukturellen Rassismus – doch gedeiht er an manchen Stellen eben besser, als an anderen. Nämlich genau da, wo sich die Menschen nicht mit den Lebensumständen und den Ursachen von Geflüchteten auseinandersetzen. All den Bachmanns, Petris, Seehofers, Hockes und Pirinccis fehlt, genauso wie den Schlägern aus Magdeburg, Wismar, Pirma und Dresden die in den letzten Tagen Jagd auf Ausländer veranstaltet haben, die Fähigkeit, sich in ihren Gegenüber hineinzuversetzen. Es mangelt ihnen nicht nur am Interesse die geopolitische Situation in Syrien, der Türkei oder dem Irak einzuschätzen, sie können es schlichtweg nicht. Ihnen fehlt das tiefgreifende Gefühl jemandem nachhaltig Helfen zu wollen (und zu können!), dessen Lebenssituation schlecht ist, ohne sofort die Angst zu empfinden, dass ihnen etwas weggenommen werden könnte. Diese Unfähigkeit zur Empathie soll deren Verhalten nicht entschuldigen (jeder hat die Chance sich zu verändern), aber erklären, wie man derart renitent ein Arschloch sein kann.
Aus diesem Grund finde ich den – zugegebenermaßen etwas polemischen – Hinweis auf die Empathielosigkeit der Rassisten durchaus treffend. Man ist eben nicht bereit sich mit der Situation von Flüchtlingen auseinanderzusetzen, nicht einmal oberflächlich. Viele kennen geflüchtete Menschen höchstens aus der Entfernung einer Baseballschlägerlänge oder durch die hetzerische Bild-Zeitung. Das führt zu Unverständnis.
Die gleiche Gefahr birgt der Charity-Gedanke.
Auch für uns »Gutmenschen« (was für ein schlimmes Wort) reicht es eben nicht in bekannter deutscher Scheckbuchmanier zu handeln. Wirkliche Solidarität umfasst das Verstehen, warum jemand seine Heimat verlassen hat, warum in Deutschland Menschen im November in Zelten wohnen müssen, was Menschen in einem Asylverfahren auf sich nehmen müssen und warum an europäischen Grenzen jahrelang Menschen zu Tode gekommen sind und weiterhin dort sterben. Nur dann, wenn man Kenntnis um diese Umstände hat, hat man auch das Handwerkszeug den Rassisten etwas entgegenzusetzen und Hilfsbedürftigen zu begegnen und nachhaltig zu unterstützen. Ja genau, es geht um das Verstehen.
Die vielen Tausend Menschen die jede Woche in Dresden gegen PEGIDA auf die Straße gehen brauchen nicht alleine unsere Spenden. Sie brauchen das Gefühl, dass wir an ihrer Seite stehen. Das wir gesellschaftspolitisch die gleiche Haltung einnehmen und sich gemeinsam den Ressentiments entgegenstellt. Genauso wie es für die geflüchteten Menschen entscheidend ist zu erfahren, dass man einander die Hand reichen kann und niemand alleine ist.
Erst mit dem Verstehen beginnt Solidarität, im Gegensatz zum Charity.Gedanken, der leider auch ohne Verstehen funktioniert.
Aber trotz aller Theorie ist auch konkrete, schnelle Hilfe notwendig. Denn Solidarität alleine ist eben auch nicht ausreichend. Aus diesem Grund unterstützt das AKzwanzig13 die Aktion von Angela Kuepper und Annik Wecker »Mützen für Lesbos«.
Auf der griechischen Insel Lesbos kommen zahlreiche Flüchtlinge nach ihrer Flucht über das Meer an. Genau hier ist die Hilfe und Solidarität am wichtigsten, denn die Menschen haben meist nichts bei sich und sind auf die Solidarität der Leute und Hilfsorganisationen vor Ort angewiesen.

Darüber hinaus möchte ich Euch auf die Aktion #AuchZwerge der Deutschen Tolkien Gesellschaft aufmerksam machen, von denen das oben stehende Bild stammt. Ich finde es ein wundervolles Projekt. So liebe ich die Phantastik Szene. Ich möchte Euch bitten, euch ebenfalls der Aktion »Mützen für Lesbos« und / oder der auchzwerge-Aktion anzuschließen und Solidarität als das wahrzunehmen, was es ist – nämlich unersetzlich.

Advertisements

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.