sticks and stones will break my bones

Veröffentlicht: April 13, 2016 in Uncategorized

Das Blogstöckchen hat mich erreicht.Foto 2
Mein Kollege Michael Masberg hat mir ein paar feine Fragen zugesandt, die ich natürlich gerne beantworte.

1 Preise die Schönheit: Was sagst du den Fremdijis, die Maraskan am liebsten im Meer versenken wollen?

Sie sind Unwissende. Woher sonst könnte er Wunsch nach so einem hässlichen Vorhaben stammen, wenn nicht aus der Unwissenheit geboren?! Wahrscheinlich hegen sie noch den Verdacht, es handle sich um eine asiatische, japanophile Insel oder ähnlichem Kram – da könnte man die Vernichtung schließlich nachvollziehen – aber darüber hinaus? Nein Bruderschwester Masberg, das ist ja absurd.

2 Welchen Song hast du als letztes gehört?

Turbostaat mit »Abalonia« vom gleichnamigen Album. Hört mehr Alben!

3 Schwert oder Zauberstab: Was spielst du lieber? Was schreibt du lieber?

Beides und beides? Naja, vielleicht spiele ich doch Krieger ein kleinwenig häufiger, da mir das Kämpfen so viel Spaß macht. Außerdem habe ich in letzter Zeit eine Vorliebe für eher tumbe Schlagetots entwickelt, die nicht ganz so helle sind. Die können wahnsinnig unterhaltend für den Rest der Gruppe sein, wenn man sich selbst nicht so ernst nimmt.
Beim Schreiben ist der Fall etwas anders gelagert. Da finde ich den erzählerischen Ansatz bei jemanden der über besondere Fähigkeiten verfügt reizvoller. Ich spreche jetzt nicht von Superhelden, die mag ich nicht so sehr, sondern von dem kleinen Schritt, welcher den Protagonisten von seinem Umfeld trennt. Nehmen wir Gorodez, eine Figur die ohne ihre lässige Zauberei nur halb so viel rauchen könnte oder einen Madajin, der niemals seinen Platz in der Gesellschaft finden wird. Vergleichbar mit einem Potter, dessen Zauberwerk erst zur Selbstfindung führt. Okay, vielleicht schreibe ich wirklich lieber über den Zauberstab.

4 Du hast einen Groschenroman geschrieben. Wie lautet der Klappentext?

»Der Lauf des Revolvers war sein Lehrer und die finsteren Straßen Detroits seine Schule. Während Patrick O´Malley den Hahn seines 38ers spannte, prasselte der Regen bindfadengleich vom stahlgrauen Himmel hinab und prägte diese eiskalte, einsame Nacht, die alles in seinem Leben verändern wird. Es war der Anfang, das Ende und der Untergang jeglicher Hoffnung.
Wird der Privatdetektiv jemals wieder seine Zigarette in den übervollen Aschenbrecher drücken können? Ist die halbleere Flasche Bourbon auf seinem Schreibtisch vielleicht doch halbvoll? Finden Sie es heraus mit einer neuen Ausgabe Patrick O`Malley, P.I.«

5 Feuerwerk oder leiser Abschied: Wenn deine letzte Publikation für Das Schwarze Auge anstünde und du völlig freie Hand hättest – wie sähe sie aus?

Oh, dass ist ganz leicht. Natürlich mit einem bunten Feuerwerk voller Glitzer und Fanfaren! Ich würde über die Entscheidung der aktuellen Weltenzeitwende, dem Karmakorthäon, schreiben. Und in der grenzenlosen Weisheit des Schicksals, dem Karma oder der allwissenden Schildkröte kann die Wahl des neuen, auserwählten Volkes nur auf eine Spezies fallen: Die Goblins! Sie sind die dominierende und prägende Gattung der nächsten tausend Jahre. Dann würde ich der Redaktion und allen freien Autoren ein letztes Mal zuwinken und nur noch für die Fieberwelt schreiben. Viel Spaß in Goblintopia!

6 Darf Rollenspiel politisch sein?

Darf das Rollenspiel sich von Politik distanzieren? Oder um einen alten Kampfausdruck zu bemühen: Ist das Private nicht auch politisch?
Naja, mit Deiner Frage, lieber Michael, hast Du natürlich geahnt, dass ich weiter ausholen muss und werde.
Rollenspiel hat eine stark eskapistische Komponente. Viele spielen es um in eine andere Haut zu schlüpfen, dem Alltag zu entfliehen und sich anderen Problemen zu stellen, welche sich deutlich von unserer Welt unterscheiden. Das ist gut und berechtigt. Der Gedanke an die Steuererklärung ist meist weniger amüsant als an die Abenteuer in Aventurien / Mittelerde / Lorakis.
Trotzdem handelt es sich bei Rollenspielbüchern immer auch um von Autoren geschaffene Kunstwerke. Und auch Kunst darf und sollte politisch sein (fragt mal Herrn Böhmermann).
Nehmen wir einmal die »Weißen Westen« aus der Welt von Eis & Dampf. Dabei handelt es sich um die »Gesellschaft zur Beantwortung moralischer Fragen« – militanten Konservative. Ich habe sie nicht nur geschrieben, um einen Antagonisten zu erschaffen, sondern als Karikatur aktueller Entwicklungen in Europa. Sie vereinigen meine Sorge vor all den AfDs, PEGIDAs, Frei.Wilds, Orbans und Seehoffers dieser Welt. Sie sind eine kollektive Inkarnation gesellschaftspolitischer Prozesse aus dem Hier und Jetzt. Somit kann Rollenspiel durchaus Parallelen zu ganz aktuellen Entwicklung in Gesellschaft und Politik ziehen oder ebendiese leicht verzerrt spiegeln. Es ist ein wenig wie mit Satire, die helfen kann den ganzen realpolitischen Blödsinn zu ertragen und einen Umgang damit zu finden. Dem gleichen Vehikel darf sich das Rollenspiel bedienen.
Wenn wir uns die großen Rollenspielsettings in der BRD anschauen, wären diese frei von Politik kaum denkbar. Shadowrun war immer geprägt von Neoanarchisten und der Macht der Konzerne, welche die Regierungen noch überflügeln. Rassismus war und ist wesentlicher Bestandteil der Storyline und machte einen nicht unerheblichen Reiz aus.
Man stelle sich mal Al Anfa ohne politische Intrigen oder das Mittelreich ohne all seine diplomatischen Verquickungen vor. Und die Herren Kiesow, Alpers und Fuchs hatten sich 1984 sicherlich auch nicht gedacht, jetzt führen wir mal die Gleichberechtigung in Aventurien ein, damit wir den gigantischen Markt von weiblichen Rollenspielen bedienen können. Es war ihr utopischer Gesellschaftsentwurf, der sie dazu brachte.
Oder nehmen wir Maraskan. Würden wir all die Unterdrückung, erst durch das Mittelreich, dann durch die Dämonenkrone einfach streichen, was würden wir diesem Setting an Reiz nehmen? All der revolutionäre Wind in den Gassen von Sinoda und Tuzak wäre hinfällig. Oder nehmen wir das Adoptionsrecht der Maraskaner. Hier dürfen zwei Männer durchaus Kinder adoptieren. Das ist politisch, das hat sozialkritische Kraft.

7 Chrononautus Zeitenfahrt: Greife einmal in die jüngere aventurische Geschichte ein. Was würdest du ändern? Und was wären die Folgen?

Ich hätte die Invasion der Verdammten im Westen gestartet. Das hat zweierlei Gründe. Einerseits ist der Ansatz »Das Böse erhebt sich im Osten« irgendwo zwischen der McCarthy-Ära und Tolkien steckengeblieben. Ich weiss nicht wie viele Klone ich von diesem Umstand bereits gelesen habe. Ein Relikt aus dem Kalten Krieg.
Auf der anderen Seite wurden dadurch meine geliebten Maraskaner korrumpiert. Musste das sein? Hatten sie nicht schon genug gelitten? War es nötig eine zweite Besatzungsmacht über die erste zu stülpen? Ich denke nicht und möchte hiermit die »Interessengemeinschaft Maraskan« ausrufen, die sich um die Interessen und Bedürfnisse eines völlig missverstandenen und diskriminierten Volk richtet – jawohl!
Okay, dadurch hätten wir niemals Asboran gehabt. Auch die Heiligen Rollen hätten neue Interpretationen gebraucht. Aber darüber hinaus wäre es sicherlich kein großer Verlust gewesen.

Und ich möchte das Waldemar der Bär wieder lebt!

8 In welchem Genre, in dem du dich noch nicht ausgetobt hast, reizt es dich, deine Geschichten zu erzählen?

Cyberpunk. Ich werde ja nicht müde jedem der es (nicht) hören möchte zu erzählen, dass das Genre zurückkommen wird. Und wenn auch nur für einen kurzen Zeitraum, so dass ich einen entsprechenden Roman veröffentlichen kann, wäre ich schon zufrieden. Cyberpunk ist die Zukunft, Folks!

9 Wer ist Liranon?

Eine gute Frage 😉
Ein ehemaliger Kommilitone vermutete einst voller Furcht, es könnte LInksRAdikaleNordOstNiedersachen heißen.
Wie? Was heißt hier ich hätte die Frage nicht beantwortet?!

10 Welche Fernsehserie der letzten fünf Jahre hat dir den meisten Spaß bereitet, obwohl sie eigentlich gar nicht gut ist?

Zahlreiche! Ich habe – ganz dem Hype entsprechend – wahnsinnig viel Freude an Serien. Das liegt wohl vor allem daran, dass der schiere zeitliche Raum von 10 bis 15 Folgen pro Staffel am ehesten mit der Dramaturgie eines Romans zu vergleichen ist, ganz im Gegensatz zu einem 90 Minuten Spielfilm.
Helix – Das ist wirklich eine schlechte Serie. So richtig. Aber ich habe die erste Staffel mit großer Freude geschaut, da sie so absurd viele Twists, Plotpoints und Cliffhanger hatte, dass ich sie einfach weiter gucken musste. Sie handelt von dem Ausbruch eines Zombievirus in einer Forschungsstation. Die Grundidee ist langweilig, die Ausführung mangelhaft und der Cast grauenvoll. Und trotzdem musste ich immer gleich die nächste Folge gucken.
The Walking Dead – Noch mal Zombies! Und das, wo ich doch so zart besaitet bin und normalerweise keine Horrorsachen gucke. Hier ist es ähnlich wie bei Helix. Die Grundidee ist langweilig, die Darstellung auch nicht gerade der Bringer und die Schauspieler – naja. Aber mich hat der was-wäre-wenn-Charakter der Serie gepackt. Wie gehen Menschen mit der Ausnahmesituation um? Was bilden sie für Allianzen und wem vertrauen sie nicht? Die brüchige Verbindung zwischen Solidarität und Faustrecht fasziniert mich. Und natürlich Carol. Jede Serie sollte eine Carol haben.
Defiance – Dann mal ein anderes Thema – SciFi! Defiance zeigt die gleichnamige multikulturelle Siedlung nach einem großen Krieg gegen Ausserirdische. Auch hier gilt: Die Serie ist nicht besonders hochwertig und sicherlich nicht mit dem HBO-Standard wie Deadwood oder Game of Thrones zu vergleichen. Aber sie hat coole Figuren (die Ärztin!), spannende moralische Frage und menschliche Abgründe. Absolut sehenswert!

11 Braucht die Welt mehr Glitzer?

Ja. Man mag das anhand meiner Kleidungsfarbe vielleicht nicht glauben, aber ja. Ich möchte Konfetti und Glitzer sehen, bunte Haare und geschminkte Gesichter. Von Varieté zu Kabarett, lieber ein Augenzwinkern als der starre Blick. Oder mit den Worten von Emma Goldmann: »Wenn ich hier nicht tanzen kann ist das nicht meine Revolution.«
Mir sind die schillernden Menschen lieber. Leute die zuerst Fliegen können, bevor sie laufen lernten.
Sybille Berg schrieb gerade in ihrer Kolumne: »Auffallen ist out. Anders sein eine Schwäche. Sich stark fühlen in der Uninformiertheit. Wer auffällt wird gefressen, wir wollen nicht auffallen.« Im Zuge von Selbstoptimierung, Normierung und Selfie-Tutorials kann ein wenig Glitzer sicherlich nicht schaden. Etwas Schillerndes im alltäglichen zu finden, bereitet mir große Freude. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja auch schwarzes Glitzer…

Dann liegt es nun natürlich an mir das Stöckchen weiter zu werfen. Nandurion? Seit ihr bereit zum Fangen?

  1. Wenn ihr Euren gut bezahlten Nandurionjob an den Nagel hängen müsstet, was würdet Ihr mit der ganzen freien Zeit anfangen?
  2. Aventurien geht den Bach runter, DSA wird eingestellt und ihr arbeitslos. Welchem Franchise würdet ihr Euch mit Nandurion zuwenden?
  3. Die Nandurion Convention steht in den Startlöchern. Wen ladet ihr alles als Stargäste (lebend und (un-)tot, aventurisch und irdisch) ein.
  4. Hollywood gibt Euch ein Blockbuster-Budget, um endlich den langerwarteten DSA-Film zu produzieren. Welches Ereignis verfilmt ihr? Wer übernimmt die Hauptrollen
  5. Raumschiffe in Aventurien – ein lang unterschätztes Thema. Was haltet ihr von SciFi-Einflüssen in einer Fantasywelt?
  6. Die Presse- und Meinungsfreiheit ist in diesen Tagen heiß diskutiert. Wie sieht Eure Haltung dazu aus? Was, wenn Euch Verlage Belegexemplare gegen positive Rezensionen anbieten würden? Wo sind die Grenzen zwischen kritischem Journalismus und Fanservice?
  7. Ihr dürft euch ein Merchandisingprodukt für Euer Lieblingsrollenspiel ausdenken. Was würdet ihr in Produktion geben?
  8. Immer wieder gibt es in der Rollenspielszene auch politische Diskussionen, zum Beispiel über Sexismus innerhalb der Szene. Was könnte man unternehmen um dem Thema adäquat zu begegnen?
  9. Wie stellt ihr Euch die 6. Edition DSA-Regeln vor? Was wäre wichtig und wann soll sie erscheinen?
  10. Was denkt ihr zu den neuen fremdsprachigen Editionen von Das Schwarze Auge? Wie seht ihr die Entwicklung in Frankreich und den USA?
  11. Und nun möchte ich mich schamlos bei dem Fragen von Michael Masberg bedienen: Braucht die Welt mehr Glitzer?
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Kommentare
  1. […] es nur eine Frage der Zeit, bis auch bei uns eins eintrudelt. Mike Krzywik-Groß hat uns in seinem Artikel nominiert und uns 11 Fragen […]

  2. […] diesem Fall kamen diese Fragen von Mike Krzywik-Groß, der uns schon vor einiger Zeit in seinem Blog zur Beantwortung aufgefordert hat. Die Beantwortung durch fast alle Nanduriaten hat dann aber doch […]