then everything went black

Veröffentlicht: September 2, 2016 in Uncategorized

Eine Gamer-Woche geht zu Ende.MKG

Der phantastische Blog Bibliothek von Imre hat sie in dieser Woche voll und ganz der Anthologie gewidmet. Neben spannenden Interviews mit den Beteiligten, erging heute die abschließende Rezension. Ich freue mich sehr über die hervorragende Bewertung!

Mein Interview von Mittwoch möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten. Viel Spaß damit:

Hallo Mike! Ich freue mich, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Sei doch so nett und stell dich kurz vor!
Hallo André, das mache ich doch gerne. Neben dem von dir genannten Vornamen trage ich noch den aberwitzigen Nachnamen Krzywik-Groß. Ich bin Autor verschiedener Spielarten der Phantastik. Das bedeutet ich schreibe Romane, Kurzgeschichten, Abenteuer und Quellenteile für Rollenspiele und auch mal ein Sachbuch. Sprich, ich bin in der großartigen Lage die Projekte zu verfolgen, die mich interessieren.
Ich gehöre dem Autorenkollektiv 2013 an, bin verheiratet und lebe im schönen Lüneburg. 
Ich weiß, dass du Rollenspieler bist. Welche Systeme spielst du denn am Liebsten?
Puh, dass ist bereits die erste schwierige Frage. Es ist wohl so ähnlich wie bei Eltern, die ungern das eine Kind dem anderen vorziehen.
Erstmal vorweg: Ja ich bin leidenschaftlicher Rollenspieler seit vielen, vielen Jahren. Ich habe zwar einen ganzen Haufen Interessen, aber das Rollenspiel ist mir das Wichtigste und nimmt den größten Raum in meinem Alltag ein.
Mir ist schon so manches System unter die Finger gekommen, lange haben wir Midgard und Ruf des Warlock gespielt. Generell bin ich aber eher mit Das Schwarze Auge und Shadowrun aufgewachsen. Beide Reihen spiele und lese ich noch heute und fühle mich dort zu Hause. In den letzten Jahren habe ich die Welt von Splittermond sehr schätzen gelernt. Nur bei FATE bin ich mir – als fundamentalistischer Traditionalist – noch nicht ganz sicher, was ich davon halten soll. Das System steht und fällt noch stärker mit den beteiligten Personen als andere Rollenspiele. Spannend und interessant ist es allemal. Oh, erwähnen möchte ich noch kurz Degenesis. So schön kann ein Rollenspielbuch sein! Unbedingt mal rein blättern und genießen.
Auch deine ersten Romane waren ja Rollenspielromane. Wie kam es denn dazu?
Das war eigentlich nicht so geplant. Ich fing an, einen eigenständigen Phantastikroman zu verfassen und wusste noch gar nicht genau, wohin die Reise gehen sollte. Parallel dazu ging ich seit langer Zeit mal wieder auf eine Rollenspielconvention und kam dort mit einem freundlichen Herren ins Gespräch, da ich auf der Suche nach einem vergriffenen Buch war (welches ich immer noch nicht gefunden habe!). Es stellte sich heraus, dass es sich um das Rollenspielurgestein und Verleger Werner Fuchs handelte, also versuchte ich ihm mein Manuskript anzudrehen. Er war nur mäßig begeistert schlug mir aber vor, mal einen Roman in der Welt des Schwarzen Auges zu schreiben. Zwei Wochen später war das Exposé fertig und kurz darauf gab es die Zusage zu Riva Mortis, meinem Debütroman.
Nichtsdestotrotz übt der Rollenspielroman – oder auch der Punk-Rock der Phantastikliteratur – einen ganz besonderen Reiz auf mich aus. Er erlaubt mir mit den Ideen anderer Kreativer zu spielen, sie neu anzuordnen und meine Geschichte von einer lebendigen Welt bereichern zu lassen. Die Interaktion im Schreibprozess ist deutlich höher, als bei einem Stand-alone-Roman. Das geniesse ich sehr.
In der Anthologie GAMER geht es ja um Videospiele. Bist du selbst Gamer? Wenn ja, was spielst du gerne?
Als Gamer würde ich mich nicht bezeichnen, dafür bin ich nicht tief genug in der Szene und wahrlich auch zu schlecht am Gamepad. Aber ich liebe Geschichten. In jeder Form. Und ob es sich dabei um das Medium Buch, Film oder Spiel handelt, ist mir erstmal recht egal. Hauptsache die Erzählung fesselt mich. Ähnlich gehe ich an Videospiele heran. Titel wie The Last of us,Bioshock oder Shadowrun Returns haben mich aufgrund ihre Geschichte und deren dramaturgischen Aufbau begeistert. Und einer hervorragenden Präsentation eines The Witcher konnte ich mich noch nie entziehen. 
Aber ich habe auch schon mit dem FC St. Pauli die Champions League gewonnen … bei FIFA. Denn, neben tollen Erzählungen, mag ich Spiele generell unheimlich gerne, sei es nun auf dem Brett, den Tisch oder der Konsole.
Vieles, das du geschrieben hast (Mortis-Trilogie, die Kurzgeschichte aus Gamer), ist gleichzeitig auch ein Krimi? Wie kommt das? Würdest du eigentlich lieber Krimis schreiben?
Hmm, ganz so habe ich das noch nicht gesehen. Aber ja, du hast natürlich Recht, vieles beginnt mit einem Mord. Vielleicht ist es die Faszination für ein wirklich abstossendes und für mich nicht nachzuvollziehendes Verbrechen, was mich immer wieder dort hinführt. Die Ästhetik des Bösen.
Aber noch mehr glaube ich, dass ein Toter zum richtigen Zeitpunkt viele Geschichten positiv befördert. Ich möchte da gar nicht auf den aktuellen GRRM-Hype aufspringen und reihenweise meine Figuren ermorden, aber ein Toter verändert das Beziehungsgeflecht nachhaltig und bringt so die Dinge ins Rollen, verschiebt Loyalitäten und Machtverhältnisse. Da wird es für die Leserschaft interessant. Ein Verbrechen bedeutet ebenfalls der Ausbruch aus der Normalität. Meine Lebenswelt hat zum Glück nicht allzu viel mit Kriminalität zu tun. Ein Kriminalfall führt dich also an erzählerische Orte, die Du normalerweise nicht in Deinem Leben aufsuchst. Das ist spannend.
Dazu kommt die Freude am Entdecken und Erforschen. Was ist geschehen? Warum musste ausgerechnet ein Zuckerbäcker derart spektakulär sterben? Was haben die Morde für eine Auswirkungen auf die maraskanische Innen- und Außenpolitik? So etwas begeistert mich als Leser, deshalb schreibe ich es so.
Gibt es sonst noch Genres, die du gerne liest und/oder gerne einmal schreiben würdest?
In den letzten Jahren versuche ich mich als Leser verstärkt an der Science Fiction bzw. eher der Space Opera und habe da zurzeit große Freude dran. Ich bin ja auch ein leidenschaftlicher Cineast und liebe Geschichten wie FireflyBattlestar Galactica und natürlich Star Wars. Da habe ich zurzeit mit The Expanse eine tolle Buchreihe für mich entdeckt. Ein schriftstellerischer Ausflug in den Weltraum kann ich mir also gut vorstellen.
Mein Lieblingsgenre ist allerdings der Cyberpunk. Ich werde es nicht müde zu erwähnen, dass ich dem Genre eine Renaissance zutraue. Bald erscheint das gleichnamige Videospiel als AAA-Titel, Blade Runner 2 steht in den Startlöchern – da geht noch was! Ja, sehr gerne würde ich mal einen Cyberpunkroman verfassen.
Kommen wir zu Die dritte Stadt – deiner Geschichte in GAMER. Worum geht es in der Geschichte?
Die Krux bei Kurzgeschichten ist leider, dass man nicht so viel über sie verraten darf, weil sie eben kurz sind. Aber ich versuche es mal.
Wir begleiten einen forensischen Medizintechniker bei seiner Arbeit. Er wird mitten in der Nacht zu einem mysteriösen Todesfall gerufen, bei dem die Verbindung von Computerkomponenten und dem menschlichen Körper eine entscheidende Rolle spielt. Daraus entspinnt sich eine Erzählung rund um menschliche Isolation und dem Drang zur Selbstoptimierung. Ein Thema, welches ich im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs unheimlich spannend finde. Wie weit müssen wir uns gesellschaftlichen Leistungsansprüchen anpassen? Was für körperliche und psychische Defizite werden noch toleriert, was muss dringend genormt und optimiert werden? Wann fangen wir an chirurgisch oder chemisch nachzuhelfen um größer, schöner und leistungsfähiger zu werden? Sind wir nicht schon mitten in diesem Prozess? Der Wunsch nach Selbstoptimierung halte ich zurzeit als eine der Geisseln unserer hochtechnisierten (Verwertungs-)Gesellschaft. Die dritte Stadt soll dort einen kleinen Anschub geben, aber es werden bestimmt noch weitere meinerseits folgen. Dafür erachte ich das Thema als zu wichtig, um es sein zu lassen.
Naja, und eigentlich geht es um einen Typen, der einen echt miesen Tag in einem echt miesen Leben hat.
Natürlich hat die Geschichte mit Games zu tun, aber gibt es eine spezielle Inspiration für die Geschichte?
Allerdings. Jedoch weniger im inhaltlichen Sinne, sondern eher im ästhetischen. Ich habe früher auf meinem C16 (mit Speichererweiterung!) ein Computerspiel namens Mercenary gespielt. Es stand Pate für die Visualisierung bestimmter Teile der Kurzgeschichte. Nicht ohne Grund hieß der Nachfolgeteil des Spiels The Second City was ja eine gewisse Nähe zum Titel meiner Kurzgeschichte aus Gamer hat.
Über welche zukünftigen Projekte kannst du schon etwas erzählen?
Gerade tatsächlich nicht allzu viel. Aus unterschiedlichen Gründen musste die Schreiberei in letzter Zeit zurückstecken und ich gönnte mir eine kleine Schaffenspause. Aber es kommen noch zwei, drei Kurzgeschichten heraus, wobei ich erst 2017 damit rechne.
Darüber hinaus neigt sich ein lang anhaltendes Mammutprojekt vermutlich langsam dem Ende entgegen. Bereits seit über zwei Jahren arbeiten Ralf Kurtsiefer, ich und ein ganzes Rudel toller Autoren und Autorinnen an einem Sachbuch zum Thema Heldenreise. Doch wir wären nicht wir, wenn wir es dabei belassen würden. Viel mehr haben wir eine exemplarische Novelle geschrieben, um zu zeigen, wie das dramaturgische Werkzeug alles kann. Diese wiederum basiert auf einem extra komponierten Soundtrack von Ralf, der die Heldenreise vertont hat. Ich habe das Paket mit einem pseudowissenschaftlichen Teil abgerundet, welcher die Zusammenhänge erklärt. Das Buch soll eine praktische Hilfe für AutorInnen, Cineasten, Dramaturgen und allen anderen sein, die sich dafür interessieren, warum mache Geschichten funktionieren und manche eben nicht. Du musst dich noch einen Moment gedulden, aber das wird meine nächste Veröffentlichung sein. 
Bevor wir zum Ende kommen noch eine letzte Frage, um es dem nächsten, der dich interviewen darf, leichter zu machen: Welche Frage würdest du gerne mal in einem Interview gestellt bekommen?
Warum hörst Du während des Beantworten der Interviewfragen die ganze Zeit das Album Aversion der Antilopen Gang, wenn Du doch gar kein HipHop magst?
 
Vielen Dank!
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