ein nachruf.

Veröffentlicht: November 29, 2017 in Uncategorized

André Wiesler ist vergangenen Donnerstag verstorben.24294260_1639060886132687_394136855714652824_n

Ich kannte André nicht gut. Wir trafen uns lediglich wenige Male auf Conventions, kamen aber jedes Mal schnell wieder ins Gespräch und ich genoss seine Gegenwart sehr. André war ein erfolgreicher Autor von phantastischen Geschichten und ein nicht wegzudenkender Teil der Rollenspielszene, mit seinen Beiträgen wie Lodland oder Protektor bereicherte er diese. Er wurde lediglich 43 Jahre alt.

Ich lernte André persönlich kennen, als er Chefredakteur des Magazins Envoyer war. Das muss 2008 gewesen sein. Ich schickte ihm meinen allerersten Text, verbunden mit der Hoffnung, dass er in der Zeitschrift abgedruckt werden würde. Kurz darauf erhielt ich eine überaus freundliche eMail mit dem Hinweis, dass das Thema ja recht interessant sei, aber ich den Text gerne noch einmal umfassend überarbeiten dürfe. Es war die charmanteste Absage, die ich je erhalten habe.

Es war damals jedoch kein Dämpfer für mich, sondern motivierte mich umso mehr, mit großer Akribie an die Arbeit zu gehen und um den bestmöglichen Text zu kämpfen. Mein Beitrag schaffte es später noch in den Envoyer und André wurde mein Wegbereiter in die Phantastik und in das Rollenspielverlagswesen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Ich mochte André – den Autor – sehr. Ich war und bin großer Fan seiner Werke. Shelley ist für mich immer noch der beste deutsche Shadowrunroman und gehört auch international zu den besten, die ich gelesen habe. Seine Trilogie Rose der Unendlichkeit hatte mich zuletzt begleitet, in der er in unnachahmlicher Wiesler-Art Humor und Abenteuer miteinander verknüpft hatte. Ich schrieb ihm seinerzeit und bedankte mich für die herrlichen Stunden, die ich mit den Büchern verbringen durfte. Bescheiden bedankte er sich.

Unsere Wege kreuzten sich noch ein paar Mal, da wir beide für den gleichen Verlag arbeiteten. Und auch hier bereicherte André jedes Gespräch und jedes Treffen mit seiner Persönlichkeit und seinen Ideen. Unseren letzten Kontakt hatten wir aufgrund seiner Initiative Monsterjäger gegen Rechts, die ich gerne unterstützen wollte.

Einmal besuchte ich ihn auf einer seiner Lesungen. Er hatte den wahnwitzigen Plan gefasst, dass versammelte Fantasypublikum mit einer Nahkampfeinlage, inklusive extra mitgebrachten Champion, zu beeindrucken, um die Kampfszenen in seiner Erzählung realistischer darzustellen. Ein waschechter André Wiesler Plan. Noch nie zuvor habe ich gesehen, dass sich ein Phantastikautor so gut durchschlagen kann. Es war ein Riesenspaß!

Vor kurzem hat André Ulisses Spiele verlassen. Noch vor wenigen Tagen las ich seinen Abschiedspost in dem er voller Vitalität und Schwung von neuen Ufern berichtete, von kreativen Projekten, die er nun angehen und verwirklichen möchte. Der Zauber des Neuanfangs schimmerte durch diese Zeilen und ich freute mich sehr auf neue Geschichten aus seiner Feder. Es schmerzt auf so vielen unterschiedlichen Ebenen, dass es nicht mehr dazu kommen wird.

André hinterlässt eine Ehefrau und einen Sohn. Ihnen gilt mein Beileid und ich wünsche ihnen viel Kraft in diesen schweren Stunden.

NACHTRAG: Hier kann man die Familie unterstützen.

„Spendenkonto Andre Wiesler“
IBAN: DE32 3705 0198 1934 1252 28
SWIFT für Auslandsüberweisungen:COLSDE33

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Kommentare
  1. […] Arbeitgeber Ulisses Spiele folgte ebenso ein Nachruf wie beispielsweise von seinem Autorenkollegen Mike Krzywik-Groß. Für Andrés Familie wurde ein Spendenkonto […]