wir bleiben nicht zum sterben hier

Veröffentlicht: Juni 5, 2019 in Uncategorized

Die Tränen sind noch nicht getrocknet und das Beben hallt noch nach.

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Gestern, am 04. Juni 2019, hat der Uhrwerk-Verlag, inklusive des dazugehörigen Verlags Feder & Schwert, bekanntgeben, dass sie in der letzten Woche Insolvenz angemeldet haben.

Die Bedeutung dieses Vorgangs für die deutschsprachige Rollenspielszene ist noch lange nicht absehbar. Schließlich ist der Uhrwerk-Verlag nicht nur der zweitgrößte reine Rollenspielverlag in diesem Land, sondern auch ein Verlag, der sich immer um die Vielfalt der Produkte und deren Übersetzungen bemüht und sich nicht allein auf seine Kernmarke verlassen hat. Sollte es wirklich zu einer Schließung von Uhrwerk kommen wäre das ein herber Schlag für die zuletzt wachsende Szene von Rollenspielern, der uns noch lange verfolgen wird.

Aber das ist nur ein Aspekt der Vorgänge rund um die finanzielle Schieflage des Unternehmens. Zuvorderst möchte ich an die festangestellten Mitarbeiter*innen erinnern und ihnen auf diesem Wege viel Kraft in dieser schweren Zeit wünschen. Es ist etwas anderes wenn man in seiner Freizeit oder – wie ich – nebenberuflich für ein Unternehmen arbeitet. Wenn die Stabilität meines Arbeitgebers jedoch darüber entscheidet, ob ich in drei Monaten noch meine Miete zahlen kann oder nicht, ist dass etwas völlig anderes. Fragt mal Leute denen das widerfahren ist. Es ist essentiell bedrohlich und mehr als nur unangenehm.

Die meisten Angestellten kenne ich persönlich, habe mit ihnen ganze Wochenenden verbracht, mit ihnen gekocht, getrunken, gelacht, schwere Zeiten durchgestanden, bin mit einigen freundschaftlich verbunden und haben gemeinsam großartige kreative Ideen jongliert bis uns schwindlig wurde. Für jemanden wie mich, der ein Großteil seiner kreativen Arbeit alleine verbringt, war es ein Feuerwerk sich mit der Splittermondredaktion an einen Tisch zu setzen und neue Welten zu erschaffen. Ihr lieben Menschen vom Uhrwerk und Feder & Schwert: Ich hoffe sehr, dass wir genau das auch in Zukunft machen können und so etwas verstörendes wie eine Insolvenz das nicht aufhalten kann.

Ich habe in den letzten Jahren meine Autorenaktivitäten verstärkt in Richtung von Uhrwerk gelenkt und zwar aus der tiefen Überzeugung heraus, dort Menschen vorzufinden mit denen ich mich glücklich schätzen kann zusammenzuarbeiten und Projekte realisieren zu können, die mich begeistern. So habe ich nicht nur an mehreren Splittermondbänden mitgewirkt, dass Spiel wurde auch mein privates Hauptsystem, wofür ich sehr dankbar bin. Nehmen lassen möchte ich mir das nun wirklich nicht mehr.

Blicken wir nach vorne. Aus meiner Feder stecken aktuell drei konkrete Projekte in der Hölle zwischen Schreiben, der Druckerei und der Insolvenzverwaltung. Auch wenn ich meinen Leserinnen und Lesern leider nichts Handfestes über den Fortbestand sagen kann und auch nicht spekulieren möchte, hier kurz die Titel um die es sich handelt in chronologischer Reihenfolge, wie sie veröffentlicht werden sollten. Für den Sommer war der Regionalband für Splittermond über das Archipel der Glückseligkeit, den Mahaluu-Inseln geplant. Von mir stammen dabei ein Großteil der Texte über die Kultur der freundlichen Anarchos und Anarchas unter Palmen. Für den September war die Veröffentlichung von Roll Inclusive geplant. Dort habe ich ein Essay rund um das Thema rassismuskritisches Rollenspiel geschrieben. Der Band wurde mit überwältigender Resonanz in der Szene begleitet und über ein Crowdfunding finanziert. Zu guter Letzt hängt natürlich auch mein aktueller Roman Trümmerland (welch ein passender Arbeitstitel!) in der Schwebe. Der Roman sollte im März 2020 bei Feder & Schwert erscheinen.

Im Juni werde ich zwei Veranstaltungen von Feder & Schwert besuchen und mitgestalten. So bin ich am Samstag den 15. Juni mit anderen Mitstreiter*innen auf der NordCon in Hamburg um Roll Inclusive vorzustellen. Am 30.Juni geht es dann nach Köln wo Feder & Schwert das Lesecafé auf der CCXP organisiert. Kommt gerne und zahlreich zu den Veranstaltungen und unterstützt die Leute vor Ort. Zeigt ihnen, dass ihre Arbeit Relevanz hat und hoffentlich noch langer fortbestehen soll.

Doch darüber hinaus könnt ihr noch mehr tun. Bereits gestern, wenige Stunden nach der Bekanntgabe der Insolvenz, gab es zahlreiche Aufrufe in den Sozialen Netzwerken (wie z.B. von Anton Weste) zur solidarischen Unterstützung des Verlags. Blogger, News-Seiten und Podcaster zeigten sich im gleichen Maße erschüttert wie solidarisch (exemplarisch PnP News). Nicht wenige fanden kämpferische Worte. Denen möchte ich mich anschließen.

Der beste Weg den lieben Menschen vom Uhrwerk Verlag und Systemen wie Splittermond oder der traditionsreichen Marke Feder & Schwert zu helfen  ist es ihre Bücher zu kaufen. Am besten natürlich in deren hauseigenem Shop (Hier der Link). Die Gewinnspanne ist bei PDFs höher als bei Printprodukten, aber eigentlich ist es ganz egal was ihr euch holt, Hauptsache ihr kauft. Ich hätte mir auch nicht träumen lassen das Solidarität einhergehen kann mit dem Kauf von Rollenspielbüchern, aber genauso leicht ist es hier. Ihr braucht also noch nicht einmal vor die Tür gehen, sondern lediglich ein wenig Geld auf wundervoll Bücher werfen und der Welt zeigen, dass die Rollenspielcommunity Großes bewegen kann. Meine Bestellung ist schon rausgeschickt und ich möchte Euch anstiften mitzumachen und das Sparschwein zu knacken.

Ich bin kein Jurist und kann die Folgen eines Insolvenzverfahrens nicht abschätzen. Aber was ich weiß ist, dass eine gut gefüllte Kasse und eine solidarische Community zwei starke Argumente sind, einen Verlag zu retten. Mindestens genauso wichtig finde ich es jedoch auch, den Mitarbeiter*innen ein wenig Hoffnung zu schenken und ich möchte, dass ihnen die Tränen in die Augen schießen, wenn sie die Verkaufszahlen der nächsten Tage sehen. Also Comrades, shopping ist angesagt! Seien wir realistisch und versuchen wir das Unmögliche. Wäre doch gelacht, wenn wir dem Dämon Insolvenz nicht einen mächtigen linken Haken verpassen könnten.

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Kommentare
  1. […] Gedanken zum Thema findet ihr auch auf dem Blog von Mike Krzywik-Groß sowie auf der Webseite von Prometheus […]